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Warten auf den Regenbogen

Man sagt auf jeden Sturm folgt ein Regenbogen. Er symbolisiert etwas schönes, helles, freudiges, das sich durch die Wolken und die Dunkelheit des Sturms gekämpft hat. Ein wunderschönes Lichtspiel, das Erde und Himmel verbindet. Die Schönheit eines Regenbogens kann den Schaden des Sturm nicht nehmen. Sein Erscheinen bedeutet nicht, dass man mit den Nachwirkungen nicht mehr zu kämpfen hat. Sturmwolken mögen noch immer da sein, aber der Regenbogen bringt Farbe, Energie und Hoffnung!

Ich habe mich nie mit der Symbolik von Regenbögen auseinandergesetzt. Schon gar nicht im Zusammenhang mit Babys. Erst durch unseren Verlust bin ich auf den Begriff “Rainbow Baby” gestossen. Ein Rainbow Baby, oder eingedeutscht Regenbogen Baby, ist ein Baby, das nach einem Verlust geboren wird. Das Folgewunder nach einer Fehlgeburt, stillen Geburt oder dem Tod eines Babys. Ein Rainbow Baby wird das verlorene Kind nicht ersetzen. Es wird den Sturm nicht ungeschehen machen. Aber es bringt Licht und Hoffnung, wenn Traurigkeit und Schmerz den Himmel verdunkeln.

Auch wir haben angefangen auf unseren Regenbogen zu warten. Ich wusste schon im Spital, dass der Wunsch nach einem Geschwisterchen für Finnley nach wie vor stark war und erfüllt werden wollte. Es war ein harter Schlag, als mir die Ärztin sagte, dass ich ein Jahr warten müsste, wegen dem Kaiserschnitt. Wie oft habe ich im Umfeld gehört, dass mir das Jahr gut tun würde, ich nichts überstürzen und mich erstmal um mich kümmern sollte. Ich kann das ehrlich nachvollziehen und hätte wahrscheinlich jedem anderen in einer solchen Situation, das gleiche gesagt. Aber all die Gefühle, Wünsche, Ängste, die mit dem Verlust des eigenen Kindes daherkommen, kann man nicht nachvollziehen, wenn man es nicht selber erlebt hat. Sie entziehen sich jeder Logik und rational sind sie schon lange nicht. Man kann das auch gar nicht erklären. Ich kann einfach kein Jahr warten, auch keine neun Monate und auch keine sechs Monate. BASTA!
Wir haben lange Gespräche geführt, mit der Ärztin, meiner Gynäkologin und meiner Hebamme. Geeinigt haben wir uns am Ende auf drei Monate Pause. Jetzt lassen wir unser Rainbow Baby einfach zu uns kommen. Wenn es so sein soll, wird es passieren. Ich vertraue darauf und setze mich nicht unter Druck. Ich bleibe ganz ruhig. Bin total gelassen… Und lüge mich dabei von vorne bis hinten selber an. Fuck Verstand! So ein Klugscheisser…

Ich bin mir sicher, dass es in ein paar Jahren eine neue Kodierung im ICD-10 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen) geben wird: für Frauen, die nach einem Verlust wieder versuchen schwanger zu werden. Vielleicht wird man sie die Schwangerschaft-Planungs Psychose nennen. Code F100 oder so. Folgende Symptome können/werden auftreten:

  1. Die Patientin ist sich 100% sicher, dass sie schwanger ist – BEVOR es überhaupt möglich ist, es zu wissen.
  2. Die Patientin ist sich im gleichen Moment aber auch 100% sicher nicht schwanger zu sein – BEVOR es überhaupt möglich ist, es zu wissen.
  3. Die Patientin wiederholt 1. und 2. mehrmals täglich, stündlich, minütlich.
  4. Im Medizinschrank der Patientin befinden sich duzende Ovulationstest für “vor dem Eisprung”, noch mehr Ovulationstests zum Orakeln nach dem Eisprung und Schwangerschaftstests verschiedener Marken (kann ja sein, dass einer kaputt ist… oder alle).
  5. Die Patientin behält die benutzten Schwangerschaftstests, auch wenn nur eine Linie sichtbar ist, in der Hoffnung, dass die zweite Linie doch noch wie von Zauberhand erscheint… in der nächsten Stunde, morgen oder nächste Woche… Und das obwohl, sie den Test schon in jedes vorhandene Licht gehalten hat – nur für den Fall…
  6. Die Patientin checkt mehrmals täglich ihre Zyklus App (oder mehrere… könnte ja einer falsch berechnet haben) auf dem Handy, obwohl sie sämtliche Daten auswendig weiss (Periodenbeginn, fruchtbare Phase, Eisprung und wieder Periodenbeginn). Könnte ja sein, dass sich doch irgendwas verändert hat. Warum auch immer. Soll´s ja geben.
  7. Die Patientin ist davon überzeugt, dass ihre Brüste vor der Menstruation NIE weh tun. Die Patientin ist sich daher gewiss, definitiv schwanger zu sein.
  8. Die Patientin erinnert sich dann daran, dass ihre Brüste vor der Menstruation doch hin und wieder weh tun. Allerdings nicht so…

Die Liste könnte noch ewig weitergehen. Mal im Ernst. Ich würde euch gerne sagen, dass ich eine Wahnsinns Geduld habe, dass ich total entspannt und relaxt an die Sache herangehe. Ich rede mir das ja selber ständig ein. Dabei weiss ich ganz genau, dass es nicht so ist. Wie oft erwische ich mich mit dem Finger über dem Zyklus App auf meinem Telefon. Einfach nur noch mal kurz gucken… Und ich kann nichts dagegen tun. Es ist wie es ist. All die weisen und gut gemeinten Ratschläge nehme ich gerne an, aber sie erreichen mein gebrochenes Herz nicht. Ich kann es verfluchen oder einfach hinnehmen und das Beste draus machen. Es ist eine neue Erfahrung für mich. Ich nehme es ein Stück weit mit Humor und hoffe mein Umfeld kann das auch. Ich bin nicht verrückt… ehrlich!

2 Comments

  • Anonymous

    🙈 ja, genau so! Monat für Monat 🙈…

    Ich denke mittlerweile auch noch während meiner Mens, trotz negativem Test und ohne Anzeichen, dass ich ja evtl. trotzdem schwanger sein könnte 🙈.

    Ich drücke Dir ganz fest die Daumen, dass es zügig klappt 🍀🍀🍀.

    Und die einzige Person, die genau weiß, wann der richtige Zeitpunkt ist, ist die Mutter… verstehe Dich sehr gut 😘

  • Anonymous

    Ja, auch von mir: alle Daumen sind gedrückt. Ich war nach dem Verlust unserer ersten Tochter einen Monat später wieder schwanger. Zwei SS direkt hintereinander sind wahnsinnig anstrengend, körperlich und erst recht psychisch. Trotzdem war es für mich der einzige Weg zur Heilung. Egal was andere sagen, wer so etwas durchgemacht hat entscheidet nur für sich allein! Alles Gute für dich!

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