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Rückkehr von Schreibblockadien

Mein letzter Blogbeitrag ist schon eine ganze Weile her. Ich habe ein paar Wochen auf Schreibblockadien verbracht. Es war so viel los. Die Rückkehr auf Arbeit, die Entwicklung eines eigenen Shops auf meinem Blog (mehr dazu demnächst), der Alltag, viele Gedanken und viele Emotionen. Es gab so viel zu sagen, und doch keine Worte.
So langsam ist es aber wieder an der Zeit etwas Ordnung ins Chaos zu bringen und ein paar Gedanken mit euch zu teilen.

Diese Woche war schwer. Lennis wäre am Montag sechs Monate alt geworden. Kaum zu glauben, dass es schon ein halbes Jahr her ist. Ich frage mich so oft, wie er wohl aussehen würde, was er schon können würde. Würde er wieder eher nach mir kommen, wie Finnley, oder würde Lennis eher seinem Papa ähneln? Würde er schon sitzen, krabbeln, vor sich hin brabbeln? Wahrscheinlich gäbe es schon den ersten Brei, den ersten Zahn. Die Krippeneingewöhnung hätten wir auch schon hinter uns und ich könnte meine beiden Jungs gemeinsam in die Krippe bringen. Wie würde Finni wohl zu seinem kleinen Bruder stehen? Würden sie sich mögen oder ständig in die Haare kriegen?
Mein Mann sagt immer, dass er sich solche Gedanken gar nicht macht. Männer und Frauen trauern eben schon sehr unterschiedlich. Mir fällt es sehr schwer die Babys meiner Kolleginnen zu sehen, die mit mir schwanger waren und kurz nach mir entbunden haben. Ich sehe was ihre Kleinen können und stelle mir all die Fragen ganz automatisch.
Es tut immer noch verdammt weh und ich glaube das wird sich auch nicht wirklich ändern. In den ersten Lebensjahren eines Kindes passiert so viel. Da sind unendlich viele Meilensteine. Das erste Lächeln, der erste Zahn, die ersten Schritte, das erste Wort. Und dann kommen noch all die Feiertage, wie Weihnachten, Ostern, Geburtstage, Einschulung, etc. Es sind ständige Erinnerungen an das was hätte sein können, aber nie sein wird. Eine Zukunft, die meinem Kind und uns genommen wurde. Das macht den Verlust eines Kindes so schwer. Mit einem Kind verschwindet eine ganze Zukunft. Die Lücke ist riesig.
Und irgendwie muss man weitermachen. Ich habe auf Arbeit oft das Gefühl, das man von mir erwartet, dass es mir langsam besser geht. Auch wenn jeder irgendwie sagt, dass es immer ein Teil von mir bleiben wird. Aber ewig traurig sein und darüber reden, sollte ich am besten doch nicht. Obwohl reden doch das Beste ist, was man machen kann. Auch wenn es tausendmal die gleiche Geschichte ist. Erst letzte Woche hat eine Kollegin gesagt, „…dass man ja nicht ewig trauern kann. Irgendwann muss man zur Normalität zurück finden.“ Ich war total sprachlos. Einfach alles an diesem Satz war falsch. Wie erkläre ich jemandem, der weder eigene Kinder hat, noch einen solchen Verlust erlebt hat, dass es keinen Weg zurück in die Normalität gibt? Nichts ist mehr normal! Unsere kleine heile Welt wurde erschüttert und wir wurden mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Wir haben Sicherheit verloren. Nichts ist garantiert. Nicht mal das Leben unserer Kinder. Wir wissen zu viel…
Da ist nicht nur der Abschied von unserem Kind. Wir mussten uns auch ein grosses Stück weit von unserem alten Selbst verabschieden.
Vorher habe ich einfach mein Leben gelebt, ohne grosse Sorgen und Ängste. Ich bin auf Arbeit gegangen, habe die Zeit mit meiner Familie geschätzt, habe Freunde getroffen, wir sind verreist und haben das Leben genossen. Heute ist alles irgendwie überschattet. Ein Teil fehlt und diese Abwesenheit ist immer spürbar.
Ich sitze oft auf Arbeit und vermisse meine “alte” Motivation für meinen Job. Ich frage mich, wo sie hin ist und ob ich sie wiederfinden werde. Es macht mich traurig, dass mein Job momentan eher eine Last ist als Freude. Das war mal anders. Es fällt mir heute auch viel schwerer Finnley loszulassen. Da kommen Ängste und Szenarien in meinen Kopf, die ich vorher nie gekannt habe. Ich war nie so ängstlich. Jetzt muss ich mich zusammen reissen und Finnley seine Erfahrungen machen lassen.
Wie ich meine Unbeschwertheit und Leichtigkeit doch vermisse…

Es ist ein steter Kampf. Nicht zurück in die Normalität. Es ist eher das Erschaffen einer neuen Normalität. Wie die aussieht? Das weiss ich noch nicht. Ich muss mich erstmal selber finden in dem Chaos an Emotionen. Und das braucht Zeit und viel Geduld. Von mir und von meinem Umfeld.
Ich habe das Glück, wundervolle Begleiterinnen an meiner Seite zu haben. Frauen, die das gleiche Schicksal tragen und auch ihren Weg finden mussten. Durch sie habe ich gelernt, dass all diese Emotionen okay sind und einen Platz haben dürfen. Ich darf Angst haben, darf wütend sein, frustriert, verzweifelt, traurig, fröhlig, lachend, weinend. Einzelnd oder alles auf einmal. Es ist OK! Auch muss mein Weg kein festgelegtes Ziel haben. Ich mache einfach einen Schritt vor den anderen. Finde Sackgassen, Sperrungen und Einbahnstrassen. Gehe zurück und suche eine Umleitung.
Das mag einfach klingen, aber in Wahrheit ist es harte Arbeit, emotional wie auch physisch. Es schmerzt oft. Aber jeder ausgehaltene Schmerz ist auch ein kleiner Schritt nach vorne. Ich bin unendlich dankbar für diese Weisheiten. Sie haben mir geholfen mich so zu akzeptieren, wie ich grad in diesem oder jenem Moment bin. Und sie haben mir gezeigt, dass der Weg, den ich wähle, immer okay ist, ganz egal wo er lang geht. Es gibt kein richtig oder falsch und schon gar kein Zeitlimit.

 

2 Comments

  • Anonymous

    Liebe Franzi!

    Gerade habe ich deinen Beitrag gelesen. Ich wollte dir gerne sagen, wie sehr ich dich in allem, was du sagst, verstehe. Nichts ist mehr, wie es einmal war und doch geht es Schritt für Schritt weiter.
    Ich wünschte auch so sehr meine Leichtigkeit zurück. Das Leben, wie es einmal war. Unglaublich, oder?! Da war einmal ein Leben davor. Ein Leben so unbeschwert und leicht.
    Auch wenn wir uns nicht kennen, bin ich so froh, euch zu haben. Denn nur wir verstehen uns, können uns tragen und gegenseitig stützen. So unendlich traurig es auch ist, dass uns ausgerechnet dieses Schicksal verbindet.
    Du hast so recht, es gibt kein Zurück mehr in die Normalität, die unser Leben einmal war. Es gibt nur diese neue Richtung in der wir uns zurechtfinden müssen.
    Es ist und bleibt ein steiniger Weg.

    Danke, liebe Franzi, für deine wertvollen Worte.

    Ich verbleibe in tiefer Verbundenheit

    Anna mit Tilda so tief und fest im Herzen

  • minna im herzen

    Diese Fragen werden wir uns für immer stellen und nie eine Antwort bekommen :‘(

    Was ich aber auch traurig finde ist, wenn man beruflich (?) gezwungen ist, sein Kind mit einem halben Jahr in eine Betreuung zu geben. Wie du schreibst, die Kinder entwickeln sich so schnell und die Bindung in den ersten Jahren ist so wichtig.

    Alles Gute!

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