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An Lennis

Lieber Lennis

Ich weiss nicht wie oft ich täglich dein Gesicht auf den Bildern an der Wand betrachte. Ich versuche mir vorzustellen, wie du heute aussehen könntest. 15 Monate wärst du jetzt alt. Auf den Bildern siehst du aus als hättest du Papa’s Nase und deine Haare kräuseln sich auch wie seine. Deinen grossen Füssen nach, wärst du sicher auch eher ein Grosser, wie dein Bruder. Ich frage mich was du alles schon könntest. Wahrscheinlich würden deine unsicheren Schritte mich ordentlich auf Trab halten. Die ersten Zähnchen hätten wir schon hinter uns. Deine kleinen Händchen würden nach allem greifen was wir nicht in Sicherheit bringen können. Vielleicht wäre da schon ein erstes “Mama”? Wieviele Beulen hättest du dir wohl schon geholt? Und wie oft würdest du deinem grossen Bruder das Spielzeug klauen? Wärst du ein Energiebündel wie er oder eher ein ruhiges Kind?

Ich beobachte die Kinder meiner Freunde. Sie sind alle kurz nach dir auf die Welt gekommen. Sie sind meine Referenzpunkte. Ich schaue ihnen gerne zu. Ich sehe die ersten kleinen, frustrierten Wutausbrüche von A., mit lautem Geschrei und hochrotem Kopf. Wie er kurze Zeit später seine kleinen Ärmchen seiner Mama entgegen streckt. Wie er immer und immer wieder seinen Becher vom Tisch wirft – so spannend ist die Erdanziehungskraft. Es ist so niedlich wie er läuft und auch wirklich alles anfassen möchte, was er nicht anfassen soll. Wie er an der Seite seiner Mama die Welt entdeckt.
Wie gerne würde ich das auch mit dir erleben. Wie gerne würde ich dir die Welt zeigen. Dich in den Arm nehmen, wenn du dir weh getan hast. Neben dir einschlafen, wenn du krank bist. Mit dir lachen und herumtoben. Deine kleine Hand in meiner Hand… Wie kostbar diese kleinen Wutausbrüche erscheinen und wie sehr man sich durchwachte Nächte herbeiwünscht. Alles ist besser als diese unsichtbare Lücke auf unserem Familienfoto. Ausser uns sieht sie keiner, obwohl sie doch so riesig ist.

Das sind die Momente an denen ich dich so schmerzhaft vermisse. Und in jenem Augenblick, in dem ich mir so sehr wünsche, dass du doch hier wärst, schaue ich neben mich und sehe da deine kleine Schwester liegen. Dieses kleine Wunder, auf das wir so sehr gehofft haben. So wunderschön. So perfekt. Dein grosses Geschenk an uns. Ich geniesse jede Sekunde mit ihr und gleichzeitig weiss ich, was ich im letzten Jahr mit dir nicht erleben durfte. Es ist ein komisches Gefühl. So sehr ich dich hierher wünsche, weiss ich auch, dass Millie dann nicht da wäre. Man kann das gar nicht in Worte fassen. Ich hätte nie gedacht, dass man unendliche Dankbarkeit und tiefen Schmerz gleichzeitig fühlen kann. Das geht wirklich. Im gleichen Atemzug und in der absolut gleichen Intensität. Ob ich mich da je dran gewöhnen werde?
Ich bin so dankbar, dass ich jetzt Millie’s erste Male erleben darf und gleichzeitig fehlst du uns unsäglich.

In Liebe,
Mama

 

 

4 Comments

  • Anonymous

    Das ist so wunderschön geschrieben ❤️. Mir laufen die Tränen.

    Lennis und Millie haben eine wunderbare, so herzensstarke und gefühlvolle Mutter!

  • Janine

    Herzdank für deinen so offenen, sehr berührenden Einblick in deine Welt…mit eurer Regenbogen Tochter Millie und eurem Sternenkind Lennis….eurer Welt die schöner aber auch schmerzvoller wohl nicht sein könnte und die sich einfach weiter dreht. In der es gilt und dies eine riesige Herausforderung ist, beides zusammenzubringen damit schönes, neues, hoffnungsvolles daraus entstehen darf. Für euch als Eltern und für eure Erdenkinder. So gut macht ihr es, Schritt für Schritt. Mit viel Bewunderung und Verbundenheit

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