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Grosseltern trauern doppelt

Capture Your Grief – Tag 16: Beziehung

Man sagt immer, dass der Tod eines Kinder entweder die Beziehung der Eltern stärker werden lässt oder sie zerstört. Und ich kann mir letzteres gut vorstellen. Schon alleine die Tatsache, dass jeder Mensch anders trauert, kann eine Beziehung auf eine harte Probe stellen. Männer fallen schnell in die Rolle der Beschützer. Sie haben kaum Zeit zu trauern, da sie ihre Frauen auffangen, sich um eventuelle Geschwisterkinder kümmern und alles Notwendige für das verstorbene Kind organisieren. Mein Mann war genauso. Ich habe ihn trotz 13 gemeinsamer Jahre, ganz anders kennen gelernt. Er war der Fels in der Brandung. Ich weiss nicht, wie ich das ohne ihn alles geschafft hätte. Dabei hatte er sein ganz eigenes Trauma zu verarbeiten. Er war immerhin die ganzen drei Stunden an Lennis Seite. Er hat alles hautnah miterlebt. Musste zustimmen, dass die Ärzte die Wiederbelebung von Lennis beenden und mir die schreckliche Nachricht überbringen. Mein wunderbarer Mann hat das alles gemacht. Trotz seiner eigenen Fassungslosigkeit, Trauer und Wut. Es hat uns extrem zusammen geschweisst. Wir haben uns ganz neu kennen und lieben gelernt. Aber es war auch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen. Denn unsere Bedürfnisse waren total unterschiedlich. Er hat mich so oft nicht verstanden bzw. hat er mich verstanden, es aber selbst ganz anders empfunden. So hat er nicht selten in Gesprächen Dinge gesagt, die mir nicht geholfen und mich frustriert haben. Erst meine Trauerbegleiterin Karin hat mir die Augen für dieses unterschiedliche Trauern geöffnet. Ich habe bei ihr gelernt, dass es okay ist anders zu trauern. Trauer kennt keine Regeln und Gesetze. Sie ist nicht geradlinig. Sie ist ein riesen Zick-Zack Muster. Drei Schritte vor, fünf zurück, zwei zur Seite, einer zurück und wieder drei nach vorne. Und jeder hat sein ganz eigenes Muster. Wir müssen das nur akzeptieren und lernen zuzuhören. Denn auch in einer Beziehung braucht es nichts anderes als Zuhören. Es braucht keine weisen Ratschläge. Nur zwei offene Ohren und ein grosses Herz.
Dieses Wissen hat uns sehr geholfen. Wenn ich mich in den nächsten Unterhaltungen mit meinem Mann unverstanden gefühlt habe, habe ich ihm das ganz offen und ruhig erklärt und ihn gebeten, einfach nur zuzuhören und mich zu halten. Mein Mann hat dann genau das getan und ich habe mich verstanden gefühlt. Das hat uns sehr geholfen, diesen schwerem Weg gemeinsam zu gehen. Jeder in seinem eigenen Tempo und mit unterschiedlichen Abzweigungen und Umwegen. Aber wir finden immer wieder in der Mitte zusammen und ich bin meinem Mann unheimlich dankbar, dass er immer an meiner Seite ist.

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