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Capture Your Grief – Tag 21: Mythen

Bis zu Lennis Tod hatte ich richtige Trauer nie erlebt. Als meine Oma starb, war das ganz schlimm, aber ich habe es direkt verdrängt. Ich habe nie richtig um sie getrauert. Erst heute verstehe ich was “trauern” eigentlich bedeutet. Welche Auswirkungen ein Verlust auf das eigene Leben haben kann, physisch und emotional. Ich habe früher immer gedacht, dass Trauer etwas ist, das mit der Zeit vorüber geht. “Zeit heilt alle Wunden” und so. Heute weiss ich, dass ich mit dem Gedanken absolut nicht alleine bin. Viele denken so und erwarten, dass es mir doch endlich gut gehen sollte. Dass ich darüber hinweg sein sollte. Es ist doch schon über ein Jahr her. Ausserdem habe ich doch jetzt auch mein gesundes Kind. Es ist so falsch! Für mich ist das einer der grössten Mythen. Vor kurzem habe ich folgendes dazu geschrieben, in Anlehnung an ein englisches Gedicht:

“Ich hatte immer meine ganz eigene Vorstellung von Trauer.
Ich dachte es wäre eine traurige Zeit, die auf den Tod eines geliebten Menschen folgt.
Und dass man da einfach durch muss, um auf die andere Seite zu kommen.
Aber ich musste feststellen, es gibt gar keine andere Seite.
Es gibt kein “da durch müssen”. Es ist eher Akzeptanz, Integration und Anpassung.
Trauer ist auch nichts, das man vollendet. Es ist etwas, das man aushalten muss.
Trauer ist keine Aufgabe, die man abschliesst, oder nach der man weitermachen muss.
Trauer ist ein Element deines Selbst. Eine Modifizierung deines Daseins. Eine neue Betrachtungsweise. Eine neue Definition von dir.”

Ich hoffe, dass dieser Mythos irgendwann verschwindet und wir aufklären können, in dem wir offen über den Verlust unserer Kinder reden. Denn wir werden über ihren Tod nie hinweg kommen. Wir werden sie nie vergessen und sie werden immer ein Teil von uns sein. Die Sehnsucht nach ihnen wird uns immer begleiten. Wir sind nicht mehr die, die wir vorher waren. Unser ganzes Leben, Denken und Empfinden hat sich von einen Tag auf den anderen verändert. Und wir müssen lernen das zu akzeptieren. Es ist ein langer Weg. Habt Geduld.

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