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Capture Your Grief – Tag 23: Sterblichkeit

Lieber Tod,
letztes Jahr bist du mir verdammt nahe gekommen. Du hast mich verschont. Dafür aber mein Kind mitgenommen. Ich bin wirklich wütend auf dich. Noch immer. Ich mag dich nicht. Du hast mir meine Sterblichkeit ins Gesicht geknallt. Mir gezeigt, wie schnell sich eine wunderschöne Zukunft in Luft auflösen kann. Wieviele Tränen zurück bleiben. Deine Anwesenheit spüre ich heute viel deutlicher. Wenn du in meinem Umfeld wütest, wie ein Sturm. Du schreckst vor nichts zurück. Egal ob liebevolle Mutter, unschuldiges Kind, bester Freund, Fiesling oder Mörder. Du machst keinen Unterschied. Die einen lässt du kämpfen, die anderen reisst du von einem Augenblick auf den anderen aus dem Leben. Ohne Erbarmen. Wir alle wissen, dass du irgendwann kommen wirst. Nur nicht wann. Und das macht mich rasend. Ich habe Angst. Nicht vor dem Sterben an sich, aber vor dem Schmerz, der zurück bleibt. Wen wirst du mir als nächstes nehmen? Wie gerne würde ich deine Liste kennen, die Reihenfolge, das Datum. Einfach ein kleines Stück Kontrolle. Ich weiss, du wirst mir irgendwann wieder verdammt nahe kommen. Das ist der Lauf der Dinge. Aber ich bitte dich von ganzem Herzen: gib uns noch ganz viel Zeit. Ich möchte meine Kinder aufwachsen sehen. Ich möchte ihre Hochzeiten feiern und ihre Babys im Arm halten. Ich möchte gerne gesund und in Ruhe alt werden. Mit meinem Mann. Ich möchte nicht, dass jemand von uns zu früh gehen muss. Dass meine Kinder ohne ihre Eltern erwachsen werden müssen. Oder, dass ich ohne sie alt werden muss. Schenke ihnen und uns bitte noch viele Jahre mit den Grosseltern. Du hast vorerst genug gewütet. Lass uns die Sonne jetzt noch viele Jahre geniessen.

Franzi

 

 

Die Angst vor dem Tod – ein bisschen Selbstreflektion

 

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