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Sinn des Lebens nach Kindsverlust

Die Frage nach dem Sinn des Leben

Mir ist in letzer Zeit aufgefallen, wie viele Sterneneltern nach dem Tod ihres Kindes nach dem Sinn in ihrem Leben suchen. Ein paar Wochen oder Monate nach dem tragischen Verlust und der tiefen Trauer, erwachen viele langsam aus ihrer Schockstarre. Sie strecken wieder ihre Fühler aus und finden sich in einem Alltag wieder, der die gleichen Dinge wie früher fordert und doch so ganz anders ist.

Wie navigiert man nur durch dieses neue Leben, wo der Chef möchte, dass du wieder wie gewohnt funktionierst, Rechnungen gezahlt werden wollen, der Haushalt gemacht werden muss, eventuelle Geschwisterkinder und der Partner Aufmerksamkeit brauchen und all die tausend anderen (oftmals unwichtigen) Dinge erledigt werden müssen? All das, obwohl ein Teil von uns stehen geblieben ist. Wir wissen nicht recht wo genau wir grad stehen und wie wir das alles schaffen sollen. Wir funktionieren einfach. Aber unser Herz ist woanders. Als wäre das Leben ein Puzzle, dass durch den Verlust des eigenen Kindes, in alle Einzelteile zerfallen ist und wir langsam beginnen die Stücke wieder zusammenzusetzen. Dabei stellen wir fest, dass viele Teile fehlen und das Bild nicht mehr recht zusammenkommen will.

Was ist der Sinn in meinem Leben?

Und so sehen wir uns plötzlich mit ganz philosophischen Fragen konfrontiert: „Wofür war das alles gut?“, „Was für eine Lektion sollte ich mit dem Tod meines Kindes lernen?“, „Was mache ich hier eigentlich?“, „Hat das alles einen Sinn?“, „Ich fühle mich in meinem Job nicht mehr wohl. Ist mein Job überhaupt richtig für mich?“, „Ich hab das Gefühl, ich möchte etwas anderes machen, aber ich weiss nicht was.“, „Was ist eigentlich meine Bestimmung im Leben?“ „Was ist überhaupt der Sinn des Lebens?“.

Ich habe mir die gleichen Fragen gestellt, nachdem Lennis gestorben ist. Ich hatte das Gefühl auf einen Weg geschubst worden zu sein, den ich mir freiwillig nicht ausgesucht hatte. Das wurde einfach so für mich entschieden und es hat mich so geärgert. Warum ich? Warum ist uns das passiert? Was soll das für eine Lektion sein, die so unendlich schmerzhaft ist? Warum sollte für meine Lebenslektion ausgerechnet mein Baby sterben? Das macht doch keinen Sinn!

Mir ist dieser Weg auferlegt wurden und ich konnte es nicht ändern. Aber trotzdem hatte ich eine Wahl: ich konnte mich dafür entscheiden, diesen Weg mit offenen Augen und offenem Herzen anzunehmen und ihn zu gehen. Für mich und zu Ehren von Lennis. Einen Fuss vor den anderen und mit jedem Schritt lichtete sich der Weg ein wenig mehr und Lennis Tod gab meinem Leben eine ganz andere Bedeutung. Es war wie eine Einladung zu erkennen, dass selbst wenn wir uns zutiefst vernichtet und geschlagen fühlen, wie ein kaputtes Boot, verloren auf hoher See, so haben wir doch immer noch die Chance, die Segel selber zu setzen und uns neu zu kreieren. Eine eigene Identität jenseits unseres Verlustes.

Eine wichtige Lektion

Durch Lennis habe ich eine ganz wichtige Lektion gelernt: meinem Herzen und meiner Intuition zu vertrauen. Sie überhaupt erstmal zu hören und zu spüren. Ich habe aufgehört alles krampfhaft zu überdenken und zu planen. Habe den Kopf ausgeschalten und angefangen den Dingen zu folgen, die mir in den Weg fallen. Das Universum gibt uns nicht das, was wir wollen, sondern das, was wir brauchen. Ich musste lernen die Kontrolle loszulassen und plötzlich fanden genau die Dinge zu mir, die ich tatsächlich gerade brauchte. Und dabei habe ich meine Essenz gefunden. Das was mich ausmacht und was mir wichtig ist. Es hat quasi den ganzen anderen Mist abgeschält.

Es ist immer noch ein Prozess. Ich habe immer noch keine Ahnung, wo mich der Weg hinführen wird oder was letztendlich der wirkliche Sinn meines Lebens ist. Mein Job fühlt sich auch heute noch nicht wieder richtig und gut an. Aber er zahlt meine Rechnungen. Daher sehe ich ihn als den Finanzierer für das, was ich wirklich machen möchte. Es ist nicht immer einfach geduldig zu sein und die Dinge zu einem kommen zu lassen. Es gelingt mir nicht immer. Aber ich versuche immer wieder in mich zu gehen und mich zu sortieren. Durchzuatmen und mich zu entschleunigen. Oftmals bitte ich Lennis um Hilfe und kann mir sicher sein, dass mir einige Zeit später das richtige Puzzlestück in den Schoss fällt. Diese Momente bringen so viel Glück und Wärme. Lennis ist vielleicht nicht mehr physisch hier aber ich spüre ihn auf meinem Weg immer wieder ganz nah.

5 Tipps für dich

Vielleicht fragst du dich jetzt, wie du deinen eigenen Weg finden und das Puzzle so zusammen setzen kannst, wie du es dir wünschst? Hier findest du 5 Tipps, wie du deine Emotionen würdigen, dein Kind ehren und die Tür zu dir selber und dem Sinn deines Lebens öffnen kannst:

  1. Trauere

Trauer kommt mit einem Rucksack voll verschiedener Emotionen. Und sie kommt oft dann, wenn wir nicht damit rechnen. Ich möchte, dass du weisst, dass all diese Emotionen OK sind. Es ist okay traurig, wütend, frustriert, neidisch, sehnsüchtig oder glücklich zu sein. Gib diesen Emotionen Raum. Lass sie fliessen. Nur wenn wir sie zulassen, können wir diese Gefühle verarbeiten. Sie haben alle einen Sinn auf deinem Trauerweg, wollen gewürdigt werden und brauchen Zeit.

 

  1. Nimm dir Zeit!

Dieser Weg vor uns mag sich manchmal wie ein Marathon anfühlen. Er laugt einen physisch sowie psychisch total aus. Der einzige Unterschied: hier geht es nicht darum, wer als schnellstes ins Ziel kommt. Schneller ist nicht besser. Im Gegenteil, unsere Trauer braucht Zeit. Nur wenn wir ihr die Zeit und den Raum geben, die sie braucht, werden wir sie irgendwann gehen lassen können. Wenn du aufhörst sie als deinen Feind zu betrachten und sie als Ausdruck deiner Liebe zu deinem Kind anerkennst, wird sie weicher werden. Nimm sie einfach so wie sie kommt. In deinem ganz eigenen Tempo.

 

  1. Werde kreativ!

Der Trauer kreativ zu begegnen kann unglaublich heilsam sein. Wir können all die begleitenden Emotionen schriftlich, bildlich oder plastisch versuchen darzustellen. Solch kreative Prozesse geben uns Zeit für uns und einen Ort, an dem wir uns zurückziehen und verstecken können. Unser Körper hat vielleicht (gefühlt) versagt, unserem Kind das Leben zu schenken. Aber das heisst nicht, dass wir nicht mehr fähig sind etwas zu kreieren. Nimm dir Zeit zum Malen, zum basteln, töpfern, was auch immer. Es wird dir kostbare Momente der Ruhe schenken und Zeit nur für dich.
Nach Lennis Tod habe ich angefangen zu schreiben. Da war so viel Schmerz und Trauer, die ich nicht in gesprochene Worte fassen konnte. Beim Schreiben hatte ich viel mehr Zeit hinter diese Emotionen zu schauen und sie aufzuschreiben. Ich konnte sie einfach fliessen lassen. Es ist egal, ob du gut schreiben kannst oder nicht. Du musst es nicht öffentlich machen. Kauf dir ein schönes Notizbuch und fang einfach an. Manchmal wissen wir nicht, was da in den Tiefen unseres Bewusstseins herumschwirrt, bis wir den Stift aufs Papier bringen und es rausfliessen lassen.

 

  1. Verbinde dich mit anderen!

Andere Betroffene zu treffen wird dir helfen dich weniger alleine zu fühlen. Zu erfahren, dass andere dasselbe durchmachen, die gleichen Probleme und die gleichen Gefühle haben, nimmt einem den Druck des Unverstandenseins. Niemand kann dich besser verstehen, als jemand, der den gleichen Weg geht. Such dir Blogs zum lesen. Hör dir Podcasts zum Thema an. Such dir eine Selbsthilfegruppe oder triff dich auf einen Spaziergang mit einer anderen Sternenmama. Du musst diesen Weg nicht alleine gehen. Da sind viele andere, die dich auf deiner Reise unterstützen können.

 

  1. Integriere dein Sternenkind!

Lass dir von niemanden sagen, dass du dein Kind loslassen und weitermachen sollst. Von niemandem! Auch nicht von deinem Psychologen. Wir müssen unsere Kinder nicht loslassen. Wir dürfen sie in unser Leben integrieren. Sie dürfen Teil unserer Familie sein. Wir dürfen ihre Geburtstage feiern, ihre Namen in den Sand malen, ihnen Geschenke kaufen, ihre Meilensteine feiern, mit ihnen reden oder wonach auch immer uns der Sinn steht. Unser Kind ist vielleicht nicht mehr physisch anwesend, aber es ist doch immer in unseren Herzen. Finde einen Platz für dein Kind, der für dich stimmig ist.

„Die Trauer darf irgendwann gehen, aber die Liebe bleibt.“ (Roland Kachler „Meine Trauer wird dich finden.“)

 

An die Mamas und Papas mit einem gebrochenen Herzen

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