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Frida's Geschichte

Das ist Frida’s Geschichte – Ein Gastbeitrag

“Sharing is Caring” ist mir wichtig – denn nur gemeinsam können wir das Tabuthema Kindsverlust nach und nach brechen. Ich möchte meinen Blog dafür nutzen auch anderen Sternenkindern ein Gesicht zu geben. Daher möchte ich heute Vera die Möglichkeit geben Frida´s Geschichte zu erzählen:

 

Vera und Frida

Hallo, ich bin Vera, 33 Jahre alt und ich möchte euch die Geschichte von Frida erzählen.

Ich war in der 37. SSW, als mir bei der Abschlussuntersuchung im Krankenhaus, wo ich nach einem kleinen Treppensturz eine Nacht zur Überwachung verbracht hatte, gesagt wurde, dass unsere zweite Tochter einen sehr schweren Herzfehler hatte. Tagelang hörten wir Ärzten zu, ließen unser Baby im Bauch untersuchen, wühlten uns durch Foren und es wurde immer klarer, dass es aussichtlos war für Frida. Eine Woche nach der grauenvollen Nachricht war klar, dass wir unser Mädchen würden gehen lassen müssen. Ich weiß noch, dass ich dachte, jetzt machen wir einen Kaiserschnitt und dann „bringen wir es hinter uns“. Obwohl ich schon einmal Mama geworden war, war ich so naiv. Zwei volle Wochen warteten wir noch. Meine Mama und die Mama meines Mannes waren da, um uns beizustehen. Meine Schwester wohnte zu der Zeit auch bei uns. Alle kümmerten sich um uns und um unsere, zu dem Zeitpunkt noch nicht mal 2-jährige, Tochter Lotta.

Fünf kostbare Tage mit Frida

Dann, einen Tag vor dem errechneten Termin, es war ein Sonntag, bekam ich Wehen. Es war eine schnelle und wunderschöne Geburt. Die Hebamme war anwesend und hat uns dennoch keine Sekunde gestört. Frida wollte es uns leicht machen. Und da war sie: 3605g und 51cm. Blau. Mein Mann weinte hemmungslos und ich dachte, wir hätten sie schon verloren. Aber sie war da. Und mit ihr all die Liebe! Ihr wurde schnell ein Tropf gelegt und dann kam sie zu mir. Sie atmete, ihr Herz schlug, sie lebte. Und da war ganz leise die Hoffnung, dass alles gar nicht wahr war. Dann wurde sie mitgenommen. Mein Mann ging mit und ich kam etwas später im Bett hinterher. Wir durften auf der Neo bleiben. Sie wurde untersucht und es war, wie es war. Der Arzt sagte uns, wir sollen die Zeit, die wir haben, einfach genießen. Kurz drauf durften die Omas mit Lotta und meiner Schwester kommen. Frida wurde getauft. Am nächsten Tage nahmen wir sie einfach mit heim. Im Maxicosi, als wenn nichts wäre. Der einzige Unterschied zu gesunden Babys war die kleine zarte Magensonde in ihrem Näschen.
Um es vorweg zu nehmen: Es gab keine Hoffnung für Frida. Wir verbrachten fünf wundervolle, glückliche aber unfassbar traurige Tage miteinander. 117 Stunden. Ich kann heute noch ihren zarten Haarflaum an meinen Lippen spüren. Am Abend bevor sie ging, merkten wir dass sie anders wurde. Ihre Kraft ließ nach. Sie hat gekämpft. In unseren Armen hörte sie irgendwann auf zu atmen, ihr Herz schlug langsamer und langsamer, bis es irgendwann ganz aufhörte. Sie hat keinen Samstag erlebt.

Ein Schmerz, der seines gleichen sucht

Durch welche Tortur, neben all dem Schmerz, wir die nächsten Tage mussten, weiß jeder, der ein Baby verloren hat. Der Bestatter nahm sie mit. Wir mussten mit einer Trauerrednerin reden, wir mussten der Floristin erklären was wir wollten. Den Nachbarn auf die Frage, wo denn das Baby sei, erklären, was passiert war. All das im Wochenbett – wenn nicht nur die Seele weint, sondern der ganze Körper. Ein Schmerz, wenn ich ihn heute, sechs Jahre später, Revue passieren lasse, immer noch meinen ganzen Körper durchzuckt und bei dem sich meine Brust verengt. Er ist mit nichts zu vergleichen.

Regenbogenliebe

Kurz darauf wurde ich wieder schwanger. Ein Jahr und einen Tag nach der Diagnose bekamen wir, am Muttertag, eine gesunde Tochter. Unseren Regenbogen. Noch ein Jahr später hatte ich eine Fehlgeburt in der 11. Woche und auch wenn ich darüber traurig war, konnte ich es dem kleinen Sternchen nicht verübeln, dass er seine große Schwester nicht ganz allein „da oben irgendwo“ lassen wollte. Auf den Tag genau ein Jahr später bekamen wir noch einen gesunden Jungen. Und kaum zu glauben, noch zwei Jahren später bekamen wir unser Nesthäkchen. Sie ist jetzt ein Jahr alt und macht uns komplett – so komplett wie wir ohne Frida eben sein können.
Es waren alles anstrengende Schwangerschaften mit vielen Ängsten, aber irgendwie wollten wir die Hoffnung nie aufgeben. Nachdem Frida gestorben war, haben wir gedacht: „Jetzt erst recht! Jetzt wollen wir unser Leben leben – laut und bunt und voll mit Kindern, die uns jeden Tag zeigen, was es heißt, zu leben!“ (und wir hatten natürlich großes Glück dass ich immer schnell schwanger wurde).

Happy End?

Auch wenn das jetzt nach einem Happy End klingt, wir vermissen Frida doch jeden einzelnen Tag. Wie oft denke ich, wie schön es wäre, ALLE unsere Kinder bei uns zu haben. Wie oft komme ich ins Straucheln wenn mich jemand fragt, wie viele Kinder wir haben. Und wie oft erzählen Fridas Geschwister wildfremden Menschen von ihr! Sie ist immer präsent, nur halt nicht sichtbar. Die Liebe bleibt.

Eins hat Frida uns gelehrt: Wir wollen jeden Moment miteinander genießen. Wir haben noch im gleichen Jahr angefangen, uns einen kleinen Shop aufzubauen, für den wir zuhause schöne Dinge fürs Kinderzimmer herstellen. Seit diesem Jahr arbeiten wir nur noch dafür, sind also immer zusammen zuhause. Wir sagen uns und unseren Kindern oft wie lieb wir einander haben und auch wenn es mal anstrengend ist, wie in jeder Großfamilie: Wir sind trotz unserer toten Tochter, oder vielleicht gerade wegen ihr, unglaublich glücklich.

 

Liebe Vera, von Herzen Danke für eure so tief bewegende Geschichte. Frida darf so viele Herzen berühren. Es ist so schön zu sehen, wie sie Teil eines Hauses voller Regenbögen und einem Sonnenscheinkind (so nenne ich meinen Grossen – er wollte nämlich auch gerne eine spezielle Bezeichnung) ist.

Der Shop ist übrigens zauberhaft schön und es lohnt sich mal einen Blick hineinzuwerfen. (Keine bezahlte Werbung! Einfach reingeschaut und das Herz ist gehüpft).

 

Das ist Keke´s Geschichte – ein Gastbeitrag

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