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Auch im Neid vermisse ich dich

Auch im Neid vermisse ich dich!

Vor kurzem erhielt ich eine Nachricht von einer Sternenmama. Sie bat mich um Rat und meine eigene Erfahrung, denn seit dem Tod ihres Babys war sie so neidisch auf andere Schwangere oder Mamas mit Neugeborenen. Für sie war es fast nicht auszuhalten, wenn sie damit im Alltag konfrontiert wurde. Sie fragte mich, was sie dagegen machen kann und wie sie das “wegbekommt”.Anhand ihrer Frage konnte ich erkennen, dass sie das Gefühl – ihren Neid – nicht mochte. Sie wollte es weghaben und am liebsten gar nicht fühlen.

Ich lehne mich wohl nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass das vielen betroffenen Sterneneltern sehr bekannt vorkommt. Und nicht nur Sterneneltern – auch Menschen, die einen Partner verloren haben, einen Bruder, eine Schwester, ein Elternteil oder gar ein geliebtes Haustier, können dieses Neidgefühl wahrscheinlich gut nachffühlen.

Neid = 6. Todsünde?

Neid zählt zu den schamvollsten Gefühlen in unserer Gesellschaft. Er ist sogar die Nummer sechs der sieben Todsünden und sicher die, die am wenigsten Spass macht. Sucht man nach einer Definition der Ursachen von Neid, findet man schnell Ausdrücke wie: Charackterschwäche, mangelndes Selbstvertrauen, selbstempfundene Unterlegenheit oder Kleinmut. Bei solchen Aussagen fällt es schwer zuzugeben, dass man heimlich nach anderen schielt. Und es tut weh, sich einzugestehen, dass man blass, gelb oder grün vor Neid ist, weil andere über etwas verfügen, das man selber gerne hätte. Niemand ist gern neidisch und will diesen Stachel in sich wahrhaben. Und doch sticht eben jener Stachel schmerzlich tief, wenn man sieht, wie sich im Bus neben uns eine Schwangere liebevoll den Bauch streichelt, die beste Freundin grad ein gesundes Kind auf die Welt gebracht hat, ein Pärchen kuschelnd auf der Parkbank sitzt, eine Tochter ihre Mutter umarmt oder zwei Schwestern lachend shoppen gehen.

Die Liebe in meinem Neid

Unser trauernedes Herz kann im Alltag immer wieder mit solchen Situationen konfrontiert werden. Und es ist ein ganz spezielles Gefühl von Neid. Es hat wenig mit mangelendem Selbstwertgefühl zu tun oder dem Wunsch nach mehr Geld, grösserem Haus oder tollerem Job. Dieser Form von Neid liegt ein grosser Verlust zu Grunde. Ein wichtiges Stück Zukunft, das so nicht mehr sein wird. Erinnerungen und Momente, die nicht mehr gesammelt werden können. Eine Lücke im Herzen. Es fehlt nichts materielles, sondern ein Mensch. Und so ist doch der Neid letztendlich Ausdruck der Liebe zu unserem vermissten Menschen.

Wenn wir den Neid als Ausdruck unserer Liebe betrachten, können wir ihm vielleicht auch mit Verständnis und Mitgefühl begegnen. Denn sind wir mal ehrlich – eigentlich ist es doch total verständlich, dass wir in solchen Situationen Neid empfinden oder diesen kleinen Stich in unserem Herzen spüren, oder? Unser Herz möchte so sehr, das unser geliebter Mensch wieder leben darf. Es wünscht es sich so fest. Zugleich weiss es aber, dass das nicht möglich ist. Unser Herz möchte dann im Neid, genau das, was die anderen gerade haben. Und können wir ihm das verübeln?

Mitfühlend annehmen statt weghaben wollen

Anstatt unseren Neid zu verfluchen und ihn weghaben zu wollen, können wir vielleicht probieren ihm mal auf Augehöhe zu begegnen, ihn uns genau anzusehen und ihm zuzuhören. Was möchte er uns eigentlich sagen? Unser Neid trägt auch unsere Sehnsucht und das Vermissen. Auch ihn schmerzt die Lücke, die unsere geliebten Menschen hinterlassen haben, so sehr. Auch unser Neid ist traurig und möchte letztendlich doch nur verstanden und wahrgenommen werden.

Vielleicht können wir so unserem Neid auch mit Wertschätzung begegnen und seine Anwesenheit mitfühlend annehmen. Denn es ist okay, dass wir Neid empfinden. Du bist okay. Neid ist Ausdruck deiner Trauer und Trauer ist Liebe…

 

Am Sonntag, den 13. September findet wieder unser “Trauer dich bunt” – Workshop statt. Diesmal mal zur Emotion Neid. Es hat noch Plätze frei. Anmelden könnt ihr euch bei mir oder im Facebook.

 

Mary Poppins Rückkehr – “Das was ihr vermisst”

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