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Jonas Geschichte

Das ist die Geschichte von Jonas – Ein Gastbeitrag

Am 23.12.2018, einige Tage vor Fälligkeit der Periode, war der Schwangerschaftstest ganz hauchzart positiv. Da machte sich in mir schon Aufregung und Vorfreude breit, denn das war definitiv unser allerschönstes Weihnachtsgeschenk. Der Dezember ist für meinen Mann und mich eine Art „Glücksmonat“, denn da haben wir uns auch kennengelernt, und nun hatte er uns ein kleines Wunder beschert. Nach einem frühen Abgang im Mai 2018 hatte es endlich wieder geklappt. Daher habe ich mich erstmal vorsichtig gefreut und immer gehofft, dass nicht wieder Blutungen einsetzen.

Meinen ersten Frauenarzttermin habe ich mir bewusst etwas später geben lassen, weil ich hoffte, dann bereits den Herzschlag sehen zu können. Die Wochen vergingen und ich war so froh, dass keine Blutungen kamen. Das gab mir schon mal ein ganz anderes Gefühl als im Mai und ich war mir sicher: Diesmal wird hoffentlich alles gut gehen. Schließlich liest man ja überall, dass Fehlgeburten oft passieren, ganz besonders in den ersten Wochen.

Erstes Kennenlernen beim Ultraschall

Ich weiß noch ganz genau, dass es der 21.01.2019 war, als ich das erste Mal bei meiner Frauenärztin war und das kleine Herzchen von unserem Jonas wie wild schlagen sah. Es war einer dieser märchenhaften Wintertage: Die Sonne schien und die Bäume waren von Raureif überzogen. Das wird mir wohl für immer so in Erinnerung bleiben.
An diesem Tag war ich so überglücklich, dass ich hätte Bäume ausreißen können. Es war einer der glücklichsten Tage in meinem Leben. Diese kleine Bohne mit den flimmernden Pixeln auf dem Ultraschall zu sehen war einfach überwältigend schön. Ich bekam das erste Ultraschallbild.

In der 11. SSW bekam ich dann endlich den Mutterpass ausgehändigt. Der Geburtstermin wurde nun auf den 09.09.2019 festgelegt. Ich fand das Datum so schön und besonders. Unser Baby hatte sich den September als Geburtsmonat ausgesucht. Wieder bekam ich ein Ultraschallbild, worauf schon viel mehr zu erkennen war, als beim ersten Mal. Zwischendurch war ich nochmal beim Ultraschall: Das Baby war schon wieder gewachsen und ich freute mich, sein Herz schlagen zu sehen. Inzwischen war ich in der 12.SSW, die Angst fiel langsam von mir ab, denn es sah alles gut aus und es gab keine Gründe zur Beunruhigung. Unser Baby wurde zwar ein paar Tage zurück gestuft, da das aber wohl häufiger vorkommt, machte ich mir keine Sorgen. Wir hatten uns auch gegen die Nackenfaltenmessung entschieden.

Endlich konnten wir die frohe Kunde verbreiten

Ab der 13. SSW begannen wir es nun unserer Familie und Freunden zu verkünden. Der Geburtstag meines Mannes eignete sich perfekt dafür. Endlich waren die kritischen ersten drei Monate überstanden. Alle freuten sich natürlich mit uns.
Mein nächster Frauenarzttermin fand Mitte März in der 16.SSW statt. Da hat mir unser Zwerg so schön zu gewinkt. Man konnte ganz genau die kleinen Finger sehen. Meine Ärztin schallte auch mal frontal. Das sah ganz putzig aus. Das Einzige, was mir im Nachhinein etwas seltsam vorkam, war, dass er etwas komisch „da hing“, so von oben nach unten. Es sah anders aus als bei den letzten Untersuchungen. Da meine Frauenärztin aber nichts dazu sagte, ging ich davon aus, dass das nichts Außergewöhnliches ist. Schließlich sieht sie solche Bilder täglich. Da sollte ihr eigentlich auffallen, wenn etwas so gar nicht stimmte.
In den nächsten Tagen hörte ich die Geräusche des Herzschlags – es war einfach so schön. Wenn ich gewusst hätte, was bald auf uns zukam, hätte ich sie aufgenommen, um sie mir für immer anhören zu können.

„Es tut mir leid, aber das Kind lebt nicht mehr.“

Mittlerweile wurden mir schon Vorschläge für die Einrichtung des Babyzimmers gemacht. Allerdings war mir das alles eindeutig noch zu früh, ich wollte damit noch warten. Warum ich warten wollte, konnte ich nicht logisch erklären. Vielleicht habe ich doch schon etwas in meinem Innern geahnt.
Zwei Wochen später hatte ich ein total merkwürdiges Gefühl und auch Angst. Ich ging zu meiner Ärztin, wo sich mein mulmiges Gefühl und der vorsichtige Verdacht bestätigte: Das kleine Herzchen hatte für immer aufgehört zu schlagen. Sie schallte kurz von unten, da sah man die kleinen Babyfüßchen. Sie waren so niedlich. Das Bild hat sich bis heute in mein Gedächtnis gebrannt. Von dieser Position aus konnte ich sogar schon erahnen, dass unser Zwerg wohl ein Junge war. Als sie dann von oben schallte, fiel mir sofort ins Auge, das da, wo der Herzschlag sein sollte, nichts flimmerte. Der Kleine lag regungslos da. Es wirkte so als würde sein kleiner Mund leicht offen stehen. Sie schallte sehr lange, rüttelte auch noch ein paar Mal an meinem Bauch. Nichts passierte. Ich denke, auch sie wollte es nicht wahr haben. Dann sagte sie zu mir: „Es tut mir leid, aber das Kind lebt nicht mehr.“ Mein schlimmster Albtraum hatte sie bestätigt. Das Baby, unser kleiner Zwerg, war in meinem Bauch gestorben. Mir schossen Tränen in die Augen. Bis zuletzt hatte ich gehofft, dass doch alles in Ordnung war. Heute ist mir aber klar, dass ich es bereits wusste aber einfach nicht wahr haben wollte. Welche Mutter will so etwas auch wahrhaben? Es war der 01.04.2019, was hätte ich dafür gegeben, dass das alles nur ein blöder Aprilscherz war.

Sie telefonierte mit der Klinik und ich sollte mich am nächsten Tag in der Klinik melden. Ich ging so schnell wie möglich an den Arzthelferinnen vorbei aus der Praxis, ich wollte nicht, dass mich jemand weinen sieht. Ich schrieb einer Freundin und meinen Eltern, dass es unser Baby leider nicht geschafft hat. Dann lief ich ein ganzes Stück bis zu dem Parkplatz, auf dem mein Mann auf mich wartete. Mir liefen die Tränen und es war ein ganz eigenartiges Gefühl, wie die Welt da draußen einfach weiter machte, wo unsere doch gerade zusammen gebrochen war. Wir fuhren nach Hause und weinten gemeinsam. Wir kuschelten uns zusammen mit unseren Katzen auf die Couch. Ich war so froh, dass ich erst am nächsten Tag in die Klinik musste, denn so hatten wir noch den Tag Zeit für uns, um den ersten Schock zu verarbeiten.

„Wir sind gerade Eltern geworden.”

Am nächsten Tag fuhren wir in die Klinik. Ich bekam Tabletten zur Einleitung, woraufhin sich einige Stunden gar nichts tat. Dann kamen die Wehen ganz plötzlich und dafür richtig heftig. Ich hatte so gut wie keine Pausen dazwischen und mit Erbrechen zu kämpfen. Ich war überglücklich als ich dann eine Spritze mit Schmerzmitteln bekam, die gut half. Dabei schlief ich immer wieder ein und bemerkte dann, wie der Kleine sich löste. Er wurde dann zwischen 14:15 – 14:30 Uhr geboren. Leider weiß ich es nicht genau, da keiner es notiert hat. Die Ärzte waren alle sehr nett und auch fast alle Krankenschwestern. Wir hatten zum Glück ein Zimmer für uns allein auf der Frauenstation. Leider kam aber erst eine Hebamme zu uns als der Kleine schon geboren war. Da sie mich verunsichert hat, habe ich ihn mir leider nicht angesehen. Uns war klar, dass er wohl schon eine Weile tot in meinem Bauch war, aber ich bereue es heute sehr. Leider ist man in so einer Ausnahmesituation auf das Klinikpersonal angewiesen und wenn man verunsichert wird, hat man nun einmal Angst.

Ein sehr schöner Moment war, als mein Mann nach der Geburt zu mir meinte: „Wir sind gerade Eltern geworden.“ Damals fühlte es sich so surreal für mich an. Eltern ohne Kind? Aber er hatte recht und heute noch bedeutet mir der Moment so viel. Wir sind am 02.04.2019 Eltern von unserem kleinen Jonas geworden. Ich bin so froh, dass er bei uns war. Er hat mir gezeigt, dass die Liebe einer Mutter bedingungslos ist und eine Mutter ihr Kind schon liebt, lange bevor es geboren wird. Er erinnert mich an eine Liebe, die nicht von dieser Welt ist und dafür bin ich ihm so unendlich dankbar. Dieser kleine Mann hat mich so viel gelehrt. Ich habe das Gefühl, dass er uns weiterhin begleitet auf unserem Weg. Mein Mann durfte lernen, dass das Leben nicht selbstverständlich ist und dass es eben nicht selbstverständlich ist, gesund zur Welt zu kommen. Das Leben ist kostbar und ein Geschenk. Ein Wunder, das von sehr vielen Faktoren abhängig ist.

Wir hoffen, dass sich irgendwann der Traum von einem Regenbogenbaby erfüllt. Doch das steht noch in den Sternen. Ich denke gerade ein Regenbogenbaby hilft, wieder mehr Freude in das Leben zu bringen. Da wir noch gar keine Erdenkinder haben, ist der Wunsch nach einem Regenbogenbaby sehr groß.

Fotos für Sterneneltern

Ich habe inzwischen sehr viel Kraft in meinem Hobby, der Fotografie, gefunden und in unserem Garten. Auch unsere Katzen geben uns viel Halt und Liebe. Zumindest haben wir auf dieser Ebene, liebe Wesen, um die wir uns kümmern können. Mittlerweile bin ich auch als Fotografin bei „Dein Sternenkind“ ehrenamtlich tätig, um anderen Sterneneltern zu helfen und Bilder an die Hand zu geben, die wir leider nicht hatten. Ich habe auch viele Ideen, die ich noch in Bezug auf Sternenkinder umsetzen möchte und hoffe, dass ich sie nach und nach verwirklich kann.

Denkt immer daran: Wir Sterneneltern sind auch Eltern. Unsere Kinder werden wir nie vergessen. Wir freuen uns über jeden, der den Mut hat, unseren Schmerz auszuhalten, die Namen unserer Kinder zu nennen und uns nach ihnen zu fragen. Es ist so schön, wenn unsere geliebten Kinder nicht totgeschwiegen werden und einen Platz innerhalb der Familie bekommen.

 

 

Capture Your Grief – Tag 13: Aufklären

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