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Warum wir Fotos unserer toten Kinder posten

Es sind kaum ein paar Tage vergangen, seit dem Chrissy Teigen in einem emotionalen Post den Verlust ihres kleinen Sohnes Jack im 6. Schwangerschaftsmonat geteilt hat. Für ihren mutigen, berührenden und intimen Post bekam sie tröstende Worte und Beileidsbekundungen zu hunderttausenden. Aber für einige war es wohl zu intim. So findet man nicht nur in den Kommentaren des Posts kritische Stimmen. Sogar in Deutschland stiess der Post einer Journalistin derart auf, dass sie sich dazu veranlasst sah in einem Video Kommentar in der Bild ihre Meinung kundzutun. Und das auf eine Weise, der es an Empathie und Verständnis nur so fehlte. Sie warf der trauernden Mutter vor das Bild nur zu posten um Klicks, Follower und Aufmerksamkeit zu bekommen.

So schafft es die Wirtschaftsjournalistin Nena Schink innerhalb von nicht mal zwei Minuten einer ganzen Gemeinschaft von Sternenmamas und Papas vor den Kopf zu stossen. All jenen, die täglich dafür kämpfen, dass dieses Thema enttabuisiert wird und die Aufmerksamkeit bekommt, die es verdient. Die frisch Betroffenen Halt geben, ihnen Mut machen ihre Trauer zu leben und ihre Kinder Teil ihrer Familie sein zu lassen. All jenen, deren wenige Bilder ihr grösstes Heiligtum sind und die sie so stolz zeigen.

Journalismus ohne Recherche?

Das eine Journalistin so unreflektiert an ein Thema herantritt ist schockierend. Würde man doch gerade von ihr eine ordentliche Recherche erwarten. Ein Nachfragen bei Betroffenen. Wenigstens ein Versuch zu verstehen, warum betroffene Eltern auf Instagram oder Facebook von ihren toten Kindern erzählen. Leider scheint das hier nicht der Fall. Mit ihrer Behauptung, dass Betroffene das nur für “Fame und Follower” tun, schert sie alle über einen Kamm, die in den sozialen Medien ihre Trauer verarbeiten, in dem sie von ihren Kindern erzählen. Und ja, dazu gehören auch die intimsten Momente, die auch ganz sicher nicht “inszeniert” sind, wie sie behauptet. Mag sein, dass Chrissy Teigen einen Fotografen dabei hatte, aber ist gerade das nicht unglaublich wertvoll? Die Fotografen von Dein Sternenkind und Herzensbilder gehen auch zu betroffenen Eltern und fotografieren eben genau jene erste und letzte Momente und schenken so kostbare Erinnerungen. Denn es werden nie wieder Fotos gemacht werden können.

Was man, auf Chrissy Teigen’s Fotos sieht, ist das, was so viele von uns genauso erlebt haben. DAS ist das Gesicht von Trauer. DAS ist das Gesicht von Fehlgeburt, stiller Geburt und frühem Kindsverlust. Sie hat ihr Baby verloren, ihren kleinen Sohn Jack. Das war keine Fehlgeburt. Da ist ein kleiner Mensch still auf die Welt gekommen. Genau SO sieht es aus, wenn Elternherzen brechen! Die Wahrheit kann unbequem sein… Betroffene müssen damit jeden Tag für den Rest ihres Lebens leben.

Umso wichtiger, das Menschen mit grosser Reichweite eben jene Wahrheit zeigen und sie aus ihrem unbequemen Versteck holen. Wie sonst kann eine Gesellschaft lernen zu verstehen, was eigentlich kaum zu verstehen, geschweige denn zu ertragen ist?

16 Gründe warum wir über unsere toten Kinder in den sozialen Medien schreiben

Ich weiss, es ist schwer zu verstehen, wenn man es nicht selber erlebt hat. Aber die Wahrheit hinter den Posts ist eine einfache. Valerie Meek, Bloggerin und Autorin für Pregnancy After Loss Support (PALS) hat Gründe von Sterneneltern zusammen getragen, warum wir unsere Kinder und den Verlust von ihnen in den sozialen Medien teilen. Ich habe sie übersetzt, teilweise umgeschrieben und erweitert.

Hier sind 16 Gründe:

1. Sie sind unsere Kinder! Egal in welcher Woche wir sie verloren haben oder wie gross oder klein sie waren – sie sind und bleiben für immer unsere Kinder. Wir teilen unsere lebenden Kinder mit unserer Aussenwelt und tun das noch so gerne auch mit unseren Kindern im Himmel.

2. Sie sind wunderschön und perfekt und verdienen es, das andere sie auch sehen.

3. Wir möchten, dass man sich an sie erinnert. Es ist unsere grösste Angst, dass sie vergessen werden. Fotos sind Erinnerungen an ihre Existenz. Sie haben gelebt und wir lieben und vermissen sie.

4. Wir sind stolz auf unsere Kinder im Himmel und wollen, dass die Welt von ihnen erfährt.

5. Wir möchten, dass unser Umfeld versteht, dass unsere Kinder real sind – perfekte kleine Babys und nicht einfach nur eine Schwangerschaft, die schief gegangen ist.

6. Wir brauchen Unterstützung, Liebe und Verständnis auf unserem Trauerweg. Wenn niemand von unserem Verlust weiss, wer soll dann an unserer Seite stehen?

7. Viele Familienmitglieder, Freunde und Kollegen haben unsere Kinder nie gesehen. Wenn wir Fotos von ihnen teilen, können sie unsere Kinder kennenlernen. Durch Fotos werden sie real und begreifbar.

8. Es ist unser Job als Eltern, die Erinnerungen an unsere Kinder am Leben zu halten und ihr Leben zu ehren. Das ist unsere Art und Weise des Elternseins von einem Kind im Himmel.

9. Unsere Kinder sind einzigartig. Jedes einzelne. Sie verdienen es, dass wir über sie reden und ihre Geschichten teilen.

10. Es sind die einzigen Bilder, die wir von unseren Kindern haben. Es sind die ersten, die einzigen und die letzten Bilder. Sie sind unser grösster Schatz.

11. Unsere Kinder haben uns zu Eltern gemacht und das möchten wir ausleben, auch wenn es nicht viele Möglichkeiten dazu gibt. Über sie zu reden und ihr Leben zu teilen ist eine von wenigen.

12. Ihre Existenz darf kein Geheimnis sein. Wir möchten mit unseren Erinnerungen an sie nicht alleine sein.

13. Fehlgeburten, stille Geburten und neonatale Kindsverluste geschehen jeden Tag und kaum einer spricht darüber – wir möchten Aufmerksamkeit auf dieses Thema lenken.

14. Wir möchten das Tabuthema brechen, auch wenn es unbequem ist. Vielleicht mag sich der eine oder andere an Bildern von verstorbenen Kindern stossen. Für diese Personen ist es aber nur ein Moment. Wir müssen mit dem unbequemen Schmerz unser Leben lang klarkommen.

15. Wir möchten aufklären und zeigen, was es heisst, ein Kind zu verlieren. Was es heisst zu trauern und die Gesellschaft offener für den Tod machen. Denn früher oder später berührt er jeden von uns. Das Leben ist nicht nur Sonnenschein.

16. Wir möchten anderen zeigen, dass sie nicht alleine sind und das man so einen traurigen Verlust überleben kann.

 

Für immer im Herzen, für immer ein Teil von uns

Wir sind die Einzigen, die unseren Kindern noch eine Stimme geben können. Wir sagen ihre Namen, teilen ihre Geschichten und zeigen ihre Bilder. Bis zu unserem letzten Atemzug werden wir sie lieben und vermissen. Sie sind unsere Kinder und wir werden ihr viel zu kurzes Leben ehren so lange wir auf dieser Erde sind.

Wer das nicht versteht oder ertragen kann, der scrollt oder blättert doch bitte einfach höflich weiter. Man muss nicht immer seine Meinung kundtun. Vor allem dann nicht, wenn man es selber nicht erlebt hat und nachvollziehen kann. Lasst uns doch bitte unsere Trauer so händeln, wie wir es brauchen und nicht, wie es für euch angenehm ist.

Danke!

 

Nachtrag: Ich habe den Text gestern geschrieben und die ganze Geschichte hat mich auch Nachts nicht losgelassen. All die vielen Kommentare auf meinen Post gestern… unsere kleine Gemeinschaft wurde ordentlich durchgerüttelt. Was ich neben der Verletzung aber gesehen habe ist etwas ganz besonderes: eine Gemeinschaft, die zusammenhält mit einem unbändigen Kampfeswillen. Heute denke ich:

UND JETZT ERST RECHT! – für uns und unsere Kinder im Herzen!

#breakingthesilence #fehlgeburtdarfkeintabusein #nosilenceanymore

tabu brechen - Franzi Kern

 

Erinnerungsschwer

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