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Isabella

Das ist Isabella’s Geschichte – Ein Gastbeitrag

Es ist wieder #tellyourstorytuesday. Ich möchte meinen Blog dafür nutzen euren Sternenkindern ein Gesicht zu geben. Daher möchte ich heute Julia die Möglichkeit geben Isabella´s Geschichte zu erzählen:

 

Julia und Isabella

Wir sind eine kleine glückliche Familie. Das könnte man auf den ersten Blick meinen, wenn man uns sieht: Unsere die Welt entdeckende Tochter, mein Mann, der uns beide von tiefer Liebe erfüllt anschaut, und ich. Und keine Frage: Das stimmt, glücklich sind wir tatsächlich.

Was aber auch stimmt und was man auf den ersten Blick nicht erkennt: Das Herz meines Mannes und meines sind tief vernarbt. Große Teile wurden schmerzhaft herausgerissen und der Rest notdürftig zusammengeflickt. Unsere Herzen schmerzen – und das seit fünf Jahren.

Wir werden eine Familie auf Zeit sein

Vor fünf Jahren haben wir unsere Tochter Isabella nach gemeinsamen acht Monaten zu den Sternen ziehen lassen müssen.

Acht Monate, die zugleich von so viel Liebe, aber auch von Ängsten und dem schrittweisen Abschied von ihr geprägt waren. Denn wir wussten vom Tag ihrer Geburt und dem Schock über ihre unerwartete Einzigartigkeit an: Isabella wird nicht lange bei uns bleiben können. Wir werden eine Familie auf Zeit sein.

Und so war es eine kurze Zeit, die wir mit ihr verbringen durften, aber eine sehr intensive. Letztlich ein ganzes kleines Leben.

Ein Leben, das ganz anders aussah, als das, anderer junger Familien. Isabella bekam ihre Milch über eine Magensonde, zusätzlicher Sauerstoff half ihr beim Atmen und ihre Vitalzeichen wurden rund um die Uhr von einem Monitor überwacht. Eine ganze Menge Equipment, welches von Beginn an zu ihrem Leben gehörte. Genauso, wie die Intensivstation, die für die ersten sechs Wochen nach der Geburt ihr Zuhause war.

Also ließen wir uns von unserem Elterninstinkt leiten und brachten Isabella nach Hause

Wir entschlossen uns dann – gegen den Rat der Ärzte – nach diesen sechs Wochen heimzugehen. Nach teils sehr schmerzhaften Untersuchungen wussten sie nämlich leider immer noch nicht, was unserer Tochter fehlte und ihr Zustand verbesserte sich auch nicht mehr durch ihren Aufenthalt dort. Also ließen wir uns von unserem Elterninstinkt leiten und brachten Isabella nach Hause.

Endlich mussten wir sie nicht mehr jeden Abend alleine zurücklassen in ihrem kleinen Bettchen, was uns jedes einzelne Mal das Herz brach und endlich erfuhr sie genau das, was sie so sehnlichst benötigte: Ruhe, Beständigkeit und die unendliche Liebe ihrer Eltern. 24 Stunden am Tag. Ohne Schichtwechsel, Visite und immer weitere Untersuchungen, die zu nichts führten.

Und es ging Isabella von Tag zu Tag besser in dieser Umgebung, die ihr schon aus meinem Bauch heraus vertraut war und wir gestalteten ihr jeden Tag so fröhlich und bunt wie nur möglich. Bunt waren die Tage immer – es gab leider aber auch immer wieder sehr schwarze Tage. Tage, an denen ihre Sauerstoffsättigung trotz Sauerstoffzugabe nicht ausreichend war. Tage, an denen sie immer und immer wieder ihre Milch erbrach, sich stark verschluckte und wir bangend neben ihr knieten, bis sie endlich wieder zu atmen begann. Ihre Lippen dabei blau angelaufen, der Monitor ohrenbetäubend Alarm schlagend, weil ihre Herzfrequenz immer weiter sank. Und Tage, an denen wir mehrfach in die Kinderklinik fahren mussten, weil ihre Magensonde mit beinahe jedem erbrochenen Milchschwall hinausbefördert wurde.

Auch diese Tage und diese Momente gab es zuhauf. Tage voll Sorgen und der Angst, wann wir Isabella letztlich verlieren würden. Aber das sind nicht die Momente, auf die ich heute vorrangig zurückblicke.

Momente des Glücks in allem Schweren

Ich sehe die Momente voll von Liebe: Morgens aufwachend als allererstes das unverkennbare Geräusch ihres Atems wahrzunehmen und erleichtert zu realisieren, dass wir einen weiteren gemeinsamen Tag geschenkt bekommen würden. Momente voller Stolz: Der Tag, an dem Isabella ihr kleines Fäustchen das erste Mal zum Mund brachte. Für die meisten Eltern selbstverständlich – für uns ein Grund uns jubelnd und mit Tränen in den Augen in die Arme zu fallen. Und Momente voller Zusammenhalt: Wir als Eltern waren uns noch nie so einig, wie in allen Fragen und Entscheidungen rund um unsere Tochter. Zwischen uns drei passte kein Blatt mehr.

Sie hat bewiesen, dass sie zu lieben und zu spüren, auch nach ihrem Tod weiter geht

Und ich erinnere mich an den Tag, als Isabella dann schließlich in meinen Armen starb. An die Wärme, die allmählich immer mehr aus ihr wich. An ihre letzten, sehr flachen Atemzüge. An die Worte, die ich ihr leise ins Ohr flüsterte: „Es ist in Ordnung, du darfst gehen, wenn du keine Kraft mehr hast.“ Und ich erinnere mich an die Dankbarkeit, die ich damals spürte und die noch heute präsent ist: Isabella durfte in ihrem Zuhause, umgeben von ihren Eltern und nichts weiter außer Liebe und Geborgenheit, friedlich gehen.

Ich spüre tiefe Dankbarkeit dafür, dass dieses einzigartige Mädchen mein und unser Leben so sehr bereichert hat. Dass wir ein ganzes kleines Leben miteinander hatten. Und dass die Liebe uns immer bleiben wird. Neben der Tatsache, dass Isabella natürlich immer schmerzlich vermisst wird, bin ich unendlich dankbar für meine Tochter und unsere gemeinsame Zeit.

Durch sie wurde ich zur Mutter und lernte die keine Grenzen und kein Ende kennende Liebe einer Mutter zu ihrem Kind kennen. Sie hat bewiesen, dass sie zu lieben und zu spüren, auch nach ihrem Tod weiter geht.

Sinn finden in der Sinnlosigkeit

Und die unerschöpfliche Liebe zu Isabella und das Überleben ihres Verlustes, haben mich letztlich dazu bewogen, selbst Trauerbegleiterin zu werden und nun andere betroffene Mamas ein Stück weit auf ihrem Trauerweg zu begleiten. Meine Arbeit ist mir ein absolutes Herzensanliegen und ich bin dankbar, diese Mütter in ihrer Trauer, dem unendlichen Schmerz, aber auch ihrer endlosen Liebe für ihre Kinder, begleiten zu dürfen. Da sein. Zuhören. Aushalten. Mitleiden. Hoffnung schenken. Sie in ihr neues Leben zu begleiten ohne Kind an der Hand, aber dafür fest im Herzen.

Danke Isabella:

Alles was ich bewirke, das ist aus Liebe zu dir entstanden! Und ich spüre, dass ich mit meinem Wirken hier genau richtig bin!

 

Liebe Julia, vielen Dank, dass du Isabella´s Geschichte mit uns geteilt hast. Zutiefst berührt über euren Weg, wünsche ich dir für dein Schaffen von Herzen alles Gute. So viele Familien kannst du erreichen und sie auf ihrem Weg durch die Trauer begleiten.

Hier noch ein paar Infos zu Julia:

Julia ist Trauerbegleiterin und  Gesundheitsberaterin. Sie schreibt in ihrem Projekt „Julia begleitet“ über die Themen Kindsverlust, Tod und Trauer und den langen und steinigen Weg zurück ins Leben.

„Leider sind die Themen Tod und Trauer im Allgemeinen und Kindsverlust im Besonderen immer noch viel zu sehr tabuisiert. Die Thematik der verwaisten Eltern gehört in die Mitte der Gesellschaft. Diese Tabus müssen gebrochen werden, damit kein Betroffener mit seiner Trauer alleine gelassen wird!“

Daneben steht sie verwaisten Müttern in Einzelbegleitungen und dem Online-Trauercafé STERNENZAUBER mit ihren ganz persönlichen Erfahrungen, aber auch dem Fachwissen aus der Trauerbegleitung und der Gesundheitsberatung, stärkend zur Seite.

 

Julia´s Webseite

„Wegweiser im Umgang mit Sterneneltern“ zum kostenlosen Download

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